Weshalb fahren wir noch nicht elektrisch?

Irgendwann wird der Verbrennungsmotor ausgedient haben. Eine mögliche Alternative sind Elektrofahrzeuge. Die Elektromobilität muss jedoch bis dahin noch einige Hürden überwinden.

Ich stelle mir schon geraume Zeit die Frage, was den deutschen Autofahrer davon abhalten könnte, sich ein Elektrofahrzeug zu kaufen. Liegt es an den hohen Anschaffungskosten im Vergleich zu Verbrenner-Fahrzeugen? Hat er Angst davor, dass Elektrofahrzeuge zu wenig alltagstauglich sind? Oder ist es eine allgemeine Abneigung gegen alles Neue?

Carl und Bertha Benz

das_erste_Auto_so_aehnlich_sah_es_ausMachen wir doch mal einen kleinen Zeitsprung zurück in den Sommer des Jahres 1888. In diesem Sommer hatte eine Dame mit ihren beiden Söhnen eine Fahrt von Mannheim nach Pforzheim in einem seltsamen, lauten, stinkenden und schmutzigen Gefährt unternommen. Dieser Wagen fuhr nicht wie damals üblich mit Pferden sondern mit einem treibstoffgetriebenem Motor. Glaubt man den Erzählungen, so waren die meisten Menschen damals nicht so sehr erfreut über diesen „Hexenkarren“, bewarfen ihn sogar mit Steinen oder schlugen mit Peitschen danach.
Hätten die Dame – ihr Name war übrigens Bertha Benz – und ihr Mann Carl damals aufgegeben, so wären wir heute vielleicht noch immer mit Pferden unterwegs. Bekanntermaßen kam es ja anders.

In Diskussionen betreffend Elektromobilität beschleicht mich manchmal das Gefühl, dass gegen ähnliche Widerstände gekämpft werden muss, wie sie das Automobil zu Beginn seiner Entwicklung gegen sich hatte. In den Köpfen der Autofahrer muss ein Umdenken stattfinden. Vielleicht muss man einfach mal mit einem Elektroauto gefahren sein und die unglaubliche Beschleunigung und die Erhabenheit des nahezu lautlosen Fahrens erlebt haben, um zu verstehen warum viele diese Antriebsart für die Zukunft der Fortbewegung halten.

Rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge bieten einige Vorteile gegenüber konventionellen Verbrenner-Fahrzeugen: Elektromotoren sind leiser, effizienter, wartungsärmer und kleiner als Verbrennungsmotoren. In der Regel kann auch auf ein Getriebe verzichtet werden. Statt einem Tank wird eine Batterie als Energiespeicher benötigt. Je nach Fahrzeugkonzept ergibt sich ein riesiges Platzangebot innerhalb des Fahrzeugs.

Vorreiter Tesla Motors

Das Model S des amerikanischen Elektrofahrzeug-Herstellers Tesla Motors ist beispielsweise ein Elektroauto mit den Abmessungen einer Mercedes E-Klasse und einer elektrischen Reichweite von bis zu 500km. Die Batterie ist am Fahrzeugboden untergebracht, der Motor sitzt direkt auf der Achse (beim allradgetriebenen Modell je ein Motor auf beiden Achsen). Es gibt kein Getriebe, demnach auch keinen Mitteltunnel im Fahrzeug-Innenraum. Es gibt nur noch zwei Flüssigkeiten im Fahrzeug (in Bezug auf die Fortbewegung): Batterie-Kühlwasser und Bremsflüssigkeit. Für den Motor wird kein Kühler, kein Luftfilter, keine Benzinpumpe, keine Ölpumpe, kein Kraftstofffilter, kein Turbolader oder sonst ein wartungsanfälliges zusätzliches Teil benötigt.
Aufgrund des Wegfalls all dieser Teile hat dieses Fahrzeug einen Kofferraum unter der Fronthaube zusätzlich zum hinteren Kofferraum. Dabei ist der hintere Kofferraum sogar so groß, dass dort eine (versenkbare) dritte Sitzreihe für Kinder Platz findet.
Hinzu kommt, dass Aufgrund der „Baukasten-Bauweise“ des Fahrzeugs der Ausbau der gesamten Antriebseinheit innerhalb von wenigen Minuten erfolgen kann (laut Tesla Service-Center 10-15 Minuten, je nach Übung des Monteurs). Natürlich ist die Antriebseinheit ebenso schnell wieder eingebaut.

Betrachtet man nun noch die Fahrleistungen (zwischen 385 PS und unglaublichen 700 PS, Beschleunigungswerte auf dem Niveau eines Sportwagens wie des Porsche Carrera S), so bleiben nur wenig Argumente gegen dieses Elektrofahrzeug. Außer dem Aufladen und dem Preis.

Strom statt Benzin

Das_Elektroauto_ladenDas Aufladen funktioniert prinzipiell an jeder herkömmliche Haushalts-Steckdose – allerdings muss man dann wirklich sehr viel Zeit mitbringen. Besser ist die Installation einer Kraftstromsteckdose (CEE-Drehstromsteckdose) mit 16 oder 32 Ampere oder einer Ladestation mit entsprechender Leistung. Mit einer 11kW- Ladestation dauert ein kompletter Aufladevorgang dann beispielsweise nur noch um die acht Stunden. Wobei man im Alltagsgebrauch / Kurzstreckenbetrieb wohl nur selten die Batterie leer fährt und das Auto vorzugsweise nachts in der heimischen Garage lädt.

Es bleibt das Ladeproblem auf Langstrecken. Dieses Problem hat Tesla Motors auf durchaus beeindruckende Weise gelöst: Der Fahrzeughersteller hat ein mittlerweile engmaschiges Netz aus Ladestationen entlang der europäischen Hauptverkehrsstraßen gebaut. In Europa gibt es dato fast 400 Stück dieser sogenannten „Supercharger“-Stationen, mit insgesamt ca. 2.100 Ladeplätzen. Tesla-Fahrzeuge können hier kostenfrei ihre Batterien aufladen – und das mit riesigen Leistungen von bis zu 120kW! Der Aufladevorgang von ganz leer bis ganz voll dauert deshalb hier weniger als eine Stunde. Das Netz ist dabei so engmaschig, dass man schon heute komplett ohne Kraftstoffkosten vom norddeutschen Hamburg bis ins südfranzösiche Marseille fahren kann.

Tesla Motors hat es geschafft ein alltagstaugliches Elektrofahrzeug zu bauen, welches das Zeug dazu hat, auch eingefleischte Verbrenner-Verfechter von Elektromobilität zu überzeugen und den deutschen Premiumherstellern problemlos das Wasser reichen kann.
Allerdings gilt das auch in Bezug auf den Preis: Das kleinste Model S ohne Sonderausstattung kostet bereits stolze 70.700 EUR. Hierbei müssen jedoch der Wegfall der KFZ-Steuer für 10 Jahre sowie die Einsparungen beim Strom-Tanken (zwischen 30% und 50% der Kosten im Vergleich zum Tanken von Benzin oder Diesel) und die geringeren Wartungskosten berücksichtigt werden.

Tesla möchte außerdem in absehbarer Zeit ein kleineres, günstigeres Modell auf den Markt bringen, welches alltagstaugliche Elektrofahrzeuge für viele erschwinglich und damit massentauglich machen könnte.

2018-12-17T15:55:42+00:00